UNDER PROPAGANDA wird bis November 2027 verlängert
Bozen, 24.8.2026 – Die Sonderausstellung „UNDER PROPAGANDA – Archäologie zwischen Krieg und Frieden“ im Südtiroler Archäologiemuseum wird um ein weiteres Jahr verlängert und ist nun bis zum 7. November 2027 zu sehen.
Mit der Verlängerung möchte das Südtiroler Landesmuseum für Archäologie insbesondere den Schulklassen die Möglichkeit geben, sich mit einem bewegten Kapitel der jüngeren Südtiroler Geschichte auseinanderzusetzen. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle der Archäologie von den politischen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Autonomie von 1972.
Zwischen 1920 und 1972 geriet die Archäologie in den Einflussbereich politischer Interessen. Während des Faschismus sollten archäologische Funde eine römische Vergangenheit Südtirols belegen, nationalsozialistische Forschende deuteten urgeschichtliche Funde hingegen als Zeugnisse eines germanischen Erbes. UNDER PROPAGANDA - Archäologie zwischen Krieg und Frieden zeigt, wie Wissenschaft politisch instrumentalisiert wurde, aber auch, wie lokale Archäologinnen und Archäologen mit den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen umgingen. Zahlreiche bedeutende Funde aus dieser Zeit wurden für die Ausstellung neu untersucht und wissenschaftlich eingeordnet; einige waren zuvor noch nie öffentlich zu sehen.
Ein besonderes Anliegen der Verlängerung ist die Vermittlung an junge Menschen. Schulklassen, die im vergangenen Schuljahr keine Gelegenheit hatten, die Ausstellung zu besuchen, können dies nun im kommenden Schuljahr nachholen. Die Verbindung von Archäologie, Zeitgeschichte und der Frage nach der politischen Instrumentalisierung von Wissenschaft bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Unterricht.
„Wir freuen uns sehr, diese außergewöhnlichen Funde für ein weiteres Jahr bei uns im Museum zeigen zu können. Die Sonderausstellung, die auf ein Forschungsprojekt des Museums aufbaut, zeigt eindrucksvoll, wie umfassend Wissenschaft und Kultur vereinnahmt werden können und welche schwerwiegenden Auswirkungen dies haben kann“, sagt Elisabeth Vallazza, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums.
Ein vielfältiges Rahmenprogramm bis 2027
Die Sonderausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm für unterschiedliche Alters- und Interessengruppen begleitet.
Angebote für Schulen
Für Schülerinnen und Schüler aus Südtirol ist der Besuch des Südtiroler Archäologiemuseums im Rahmen eines Schulausflugs – wie in allen Südtiroler Landesmuseen – kostenlos.
Für Oberschulen ist vom 1. November 2026 bis 30. April 2027 die 75-minütige Führung „Archäologie und Kulturgut – Wem gehört die Vergangenheit?“ buchbar. Dieses Format beschäftigt sich unter anderem damit, wem archäologische Funde gehören, wer Anspruch auf Kulturgüter erhebt und wie sich deren Bedeutung und Bewertung unter unterschiedlichen politischen Regimen veränderte.
Angebote für alle
Bei der Langen Nacht der Bozner Museen am 16. Oktober 2026, die im Archäologiemuseum unter dem Motto „Forschung im Südtiroler Archäologiemuseum“ steht, können Kinder in der Sonderausstellung das archäologische Zeichnen ausprobieren.
Am 22. Jänner 2027 widmet sich Friday for Children der berühmten eisenzeitliche Rippenziste von St. Pauls/Eppan. Sie wurde 1949 in mehrere Stücke zerbrochen entdeckt. Im Workshop erfahren Kinder, warum sie trotz ihrer aufwendigen Bergung heute in der Ausstellung zu sehen ist und welche Geschichten sie erzählt. Anschließend gestalten sie eine eigene Bilderwelt nach antikem Vorbild.
Ein Theater-Highlight: Einen besonderen Zugang zur Ausstellung bieten zwei Szenische Führungen mit Controtempo Teatro Bolzano: am 21. November 2026 in deutscher und am 28. November 2026 in italienischer Sprache. Unter dem Titel „Eine Ausstellung wird zur Bühne!“ verbindet die Matinee Theater und Archäologie und klingt mit einem Umtrunk aus.
Am 27. Februar 2027 führt eine Exkursion mit Günther Kaufmann zum Jobenbühel bei Montiggl, wo Georg Innerhofer einst eine Wallburg entdeckte.
Eine Kuratorenführung mit Andreas Putzer und Günther Kaufmann findet am 2. März 2027 statt.
Wie archäologische Funde wissenschaftlich dokumentiert werden, zeigt die Veranstaltungsreihe „Über die Schulter geschaut – so geht archäologisches Fundzeichnen“ am 26. März, 9. Juli und 6. August 2027.
Führungen können ab sofort gebucht werden. Die genauen Uhrzeiten und Anmeldemöglichkeiten für das Rahmenprogramm finden sich ab Oktober 2027 auf der Webseite www.iceman.it
Fotos: Sonderausstellung UNDER PROPAGANDA - Archäologie zwischen Krieg und Frieden (c) Südtiroler Archäologiemuseum / Manuela Tessaro
Pressekontakt:
Katharina Hersel
Südtiroler Archäologiemuseum
Mail: press@iceman.it
Tel. 0471 320114