Schnalstal-Forschung auf dem europäischen Archäologiekongress EAA 2026
Wie nutzten Menschen vor Tausenden von Jahren die hochalpinen Räume des Schnalstals? Dieser Frage geht Andreas Putzer, Archäologe und Kurator am Südtiroler Archäologiemuseum, seit rund 15 Jahren nach. Beim 32. Annual Meeting der European Association of Archaeologists (EAA) in Athen stellte er nun zentrale Ergebnisse einem internationalen Fachpublikum vor.
Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Zeit Ötzis. Im Laufe der Jahre weitete sich der Blick auf die Entwicklung der gesamten alpinen Kulturlandschaft aus: auf Jagd, Handel, Weide- und Milchwirtschaft und auf die Frage, warum Menschen zu unterschiedlichen Zeiten selbst schwer zugängliche Hochgebirgsräume nutzten.
Auch aus der Kupferzeit, der Epoche Ötzis, sind in den Seitentälern Spuren menschlicher Anwesenheit bekannt. Feuerstellen und Silexabschläge zeigen, dass Menschen dort Rast machten oder übernachteten. Eine neu entdeckte Fundstelle aus dem 4. bis 3. Jahrtausend v. Chr. deutet sogar auf längere Aufenthalte im Hochgebirge hin.
Besonders deutlich wird die Nutzung der Landschaft im 2. Jahrtausend v. Chr. Mit engeren sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen wurden auch hochalpine Gebiete stärker erschlossen. In der Römerzeit nahm diese intensive Nutzung ab. Erst ab dem 11. und 12. Jahrhundert wurde das Gebiet erneut stärker bewirtschaftet.
Für seine Forschungen verbindet Putzer archäologische Grabungen mit archäobotanischen Analysen und historischen Schriftquellen. So lässt sich nachvollziehen, wie Menschen auf die besonderen Bedingungen des Hochgebirges reagierten.
„Das Schnalstal zeigt, dass hochalpine Landschaften keineswegs nur abgelegene Randgebiete waren. Menschen haben sie über Jahrtausende immer wieder genutzt – zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen. Archäologische Funde, Pflanzenreste und historische Quellen helfen uns zu verstehen, wie flexibel Menschen auf die Bedingungen des Hochgebirges reagiert haben“, erklärt Andreas Putzer.
Foto: Andreas Putzer beim Vortrag auf dem EAA in Athen © Südtiroler Archäologiemuseum