Am Mittwoch 20.4.2016 stellte das Südtiroler Archäologiemuseum eine 1:1 Kopie von Ötzis mumifiziertem Körper vor. Museumsdirektorin Angelika Fleckinger erläuterte, wie die Figur in einem mehrstufigen Prozess hergestellt und von dem bekannten US-Paläokünstler Gary Staab bearbeitet wurde.

19.04.2016 – 14:45

Vorstellung einer Ötzi-Mumien-Kopie von Paläokünstler Gary Staab

Bozen – Am Mittwoch 20.4.2016 stellte das Südtiroler Archäologiemuseum eine 1:1 Kopie von Ötzis mumifiziertem Körper vor. Museumsdirektorin Angelika Fleckinger erläuterte, wie die Figur in einem mehrstufigen Prozess hergestellt und von dem bekannten US-Paläokünstler Gary Staab bearbeitet wurde.
Die Mumienkopie ist für eine neue Wanderausstellung zum Thema „Mann aus dem Eis“ vorgesehen, die ab 2017 durch USA und Kanada touren wird. Es handelt sich um eine von Hand bearbeitete Rekonstruktion, die in Kooperation mit dem Cold Spring Harbor DNA Learning Center in New York entstanden ist. Die außergewöhnliche Zusammenarbeit ist durch das große Interesse nordamerikanischer Forschungseinrichtungen und Museen an der Geschichte des Mannes aus dem Eis geboren.

Als Grundlage für die Anfertigung einer Mumienrekonstruktion dienten die bereits bestehenden computertomografischen Aufnahmen des Mannes aus dem Eis. Diese Daten erlaubten das Nachformen der Mumie in einem 3D-Drucker, Schicht für Schicht, aus Harz und unter Luftabschluss in einem Flüssigkeitsbad. Nach dem Aushärten des Rohlings wurde die Mumienkopie von dem bekannten US-amerikanischen Paläo-Künstler Gary Staab und seinem Team in mehreren Monaten Arbeit nachmodelliert und handbemalt. Staab hatte dafür das Original in Bozen im vergangenen Sommer selbst besichtigt. Eine Herausforderung stellte die freie Rekonstruktion der Hände dar, da diese von der Computertomografie nicht berücksichtigt werden können. Von der Mumie wurden insgesamt drei Kopien angefertigt, zwei für die Niederlassungen des Cold Spring Harbor DNA Learning Center in NY und eine für das Südtiroler Archäologiemuseum.
Die Rekonstruktion des Südtiroler Archäologiemuseums wird künftig mit einer Wanderausstellung auf Tournee gehen, die derzeit im Auftrag des Museums gebaut und ab 2017 in Nordamerika gezeigt wird. Damit kommt das SAM dem großen Interesse von Museen und Science Centres in den USA und Kanada entgegen, die das Thema ‚Mann aus dem Eis‘ in ihren Ausstellungen zeigen möchten. Premiere der Wanderausstellung ist im Oktober 2017 am North Carolina Museum of Natural Science in Raleigh (1 Mio. Besucher im Jahr). Weitere Stationen sind bereits vorgemerkt. Die Wanderausstellung für den nordamerikanischen Markt ist inzwischen die dritte mobile Ötzi-Ausstellung, die das Südtiroler Archäologiemuseum an interessierte Museen in aller Welt vermietet.

Die beiden anderen Kopien der Iceman-Mumie werden zu didaktischen Zwecken im Cold Spring Harbor DNA Learning Center in New York ausgestellt. Das DNALC ist das weltgrößte Wissensvermittlungszentrum zum Thema Genetik. Jährlich werden dort in sechs Forschungslaboratorien 35.000 Schüler/innen und Lehrer pro Jahr weitergebildet. Sie lernen dort ihre eigene DNA kennen und vergleichen sie mit der DNA berühmter Vertreter aus der Geschichte der Menschheit wie zB. einem Neanderthal-Menschen sowie mit einem Vertreter des homo sapiens sapiens wie dem Mann aus dem Eis. Zur Veranschaulichung zeigt das DNALC in einem eigenen musealen Bereich Knochen- oder eben die Mumienrekonstruktion dieser Vorfahren.

Per Video wurden auf der Pressekonferenz Interviews mit dem Künstler Gary Staab und dem DNALC-Direktor Dave Micklos gezeigt. Sie erklären darin den Entstehungsprozess der Mumienrekonstruktion bzw. die Bedeutung der Ötzi-Mumie für die Vermittlungsarbeit in der genetischen Forschung und die Hintergründe der Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Archäologiemuseum. Eine Zusammenfassung der Video-Statements und Informationen zum DNALC bzw. zum Künstler finden Sie auf dem Beiblatt.

Die amerikanische Filmproduktionsfirma NOVA begleitete den gesamten Prozess der Mumienrekonstruktion und nahm ihn zum Anlass, die neuesten Forschungsergebnisse zu Ötzi, dem Mann aus dem Eis, zusammenzufassen. Der 48-minütige Dokumentarfilm mit dem Titel „Iceman Reborn“ wurde in den USA am 17. Februar auf PBS mit großem Erfolg ausgestrahlt (Regisseurin und Produzentin: Bonnie Brennan) https://www.youtube.com/watch?v=JEq8hwIryPU

 

Pressekontakt

Katharina Hersel M.A.
Südtiroler Archäologiemuseum
Museumstr. 43, 39100 Bozen
Südtirol, Italien
T +39 0471 320114
F +39 0471 320122
press@iceman.it
www.iceman.it
Facebook: OetziTheIceman

 

Bilder

Werkprozess der Mumienrekonstruktion und Fotos von der Mumienrekonstruktion.
Kostenlose Downloads für Pressezwecke stehen zur Verfügung.

Videos

1: Herstellungsprozess der Mumienkopie (https://youtu.be/PhynvuUo8X4)
2: Interview mit dem Paläokünstler Gary Staab (https://youtu.be/fizhb2YpdFk)
3: Interview zur Zusammenarbeit zwischen Südtiroler Archäologiemuseum und dem Cold Spring Harbor DNA-Learning Center mit DNALC-Direktor Dave Miklos (https://youtu.be/7-cohNyf4iI)

 

Zusammenfassung des Video-Statements von Dave Micklos, Direktor der DNA-Learning Center im Cold Spring Harbour Laboratory

In den wokshops des DNALC lernen die Schüler, ihre eigene DNA-Sequenz zu extrahieren und mit der eines Neanderthalers und der von Ötzi zu vergleichen. Dazu wird die Anzahl von Mutationen verglichen, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben. Während die DNA des Neanderthalers relativ weit von der heutigen DNA entfernt ist, gibt es mit der von Ötzi nahezu vollständige Übereinstimmung. Dies lehrt die Schüler, dass Ötzi ein moderner Mensch ist. Darüber hinaus zeigt die DNA von Ötzi Anlagen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit dem Befund von Fettablagerungen in seinen Arterien korreliert. Ein Krankheitsbild, das bis jetzt eher mit dem modernen Lebensstil assoziiert wurde. Die Schlüsse, die die Schüler aus der Analyse ihrer eigenen DNA und der von Ötzi ziehen können, sind also sehr vielgestaltig und lehrreich. Aus diesem Grund freut sich Micklos darüber, mit dem Südtiroler Archäologiemuseum zusammenarbeiten und den Mann aus dem Eis den Schülern auch als Mumienrekonstruktion zeigen zu können.

 

Informationen zum DNA-Learning Center

1890 gegründet, trug das Cold Spring Harbor Laboratory (CSHL) im Laufe des letzten Jahrhunderts maßgeblich zum Stand der aktuellen biomedizinischen Wissenschaftskenntnisse und deren Vermittlung bei mit Programmen zur Tumorforschung, zu Neurowissenschaften, zu Botanik und zu synthetischer Biologie. Das private, non-profit-Forschungslabor hat seit seinem Bestehen acht Nobelpreisträger hervorgebracht. Das CSHL beschäftigt heute ca. 1000 Angestellte, darunter 600 Wissenschaftler, Studenten und Techniker. An den Fachkonferenzen und Weiterbildungsprogrammen in den beiden Standorten Long Island (USA) und Suzhou (China) nehmen jährlich 12.000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt teil. Die ‚Education‘-Abteilung des CSHL führt auch einen Wissenschaftsverlag, ein Graduiertenkolleg und eben das DNA Learning Center (DNALC).
Das DNALC wurde 1988 vom CSHL als weltweit erstes DNA-Forschungslabor gegründet, das sich mit insgesamt sechs Unterrichtslaboratorien in Cold Spring Harbor, in Lake Success und Manhattan (NY) ausschließlich der Vermittlung des Themas Genetik an eine breite Öffentlichkeit verschrieben hat. Das DNALC entwickelte vielfältige, inzwischen sehr bekannte Methoden zur leicht verständlichen Vermittlung von Genetik, darunter: Labortrainings und Sommercamps für Schüler und Studenten, Weiterbildung für DNA-Lehrpersonen, Biotechnologie-Koffer, Labor-Lernmaterialien, Arbeitsgemeinschaften für Laborausrüstung, DNA-Sequenzierung für Schüler und Studenten, Webseiten und digitale biotechnologische Hilfsmittel sowie multimediale Vermittlungskonzepte für den Biologieunterricht.

 

Zusammenfassung des Video-Statements von Gary Staab, Paläokünstler

Staab zeichnet in seinem Video den Herstellungsprozess der Mumie nach. Ausgehend von den medizinischen 3D-Aufnahmen der Mumie wurde in einem 3D-Druckverfahren ein Rohkörper aus Harz angefertigt. Auf diesen Rohkörper modellierten Staab und sein Team mit Gips die Weichteile und Hautoberfläche der Mumie nach. Ein Besuch bei Ötzi im Labor der Kühlzelle im vergangenen Sommer in Bozen, bei dem Staab die Mumie direkt in Augenschein nehmen konnte, war bei der akkuraten Nachbildung der Mumie sehr hilfreich. Danach wurde eine Gussform hergestellt. Die darin entstandenen Modelle wurden dann nachbearbeitet und schichtweise von Hand bemalt. Zum Schluss wurde in Kleinarbeit noch die zerfaserte Hüftverletzung am Körper des Mannes aus dem Eis ergänzt. Für Staab war es ein Vergnügen, an diesem Projekt zu arbeiten und er dankt dem Südtiroler Archäologiemuseum dafür.

 

Der Paläo-Künstler Gary Staab

Gary Staab ist Bildhauer und betreibt in Missouri (USA) ein Atelier mit mehreren Mitarbeitern, in dem wissenschaftliche Modelle von ausgestorbenen Lebewesen in Harz oder Bronze nachmodelliert und zum Leben erweckt werden. Der Künstler fertigte Rekonstruktionen für die wichtigsten amerikanischen Museen und Institutionen und hat dafür zahlreiche Auszeichnungen erhalten. www.staabstudios.com

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jpg Gary Staab und Kopie Ötzi nachmodelliert © BSquared Media Gary Staab e copia rimodellata Oetzi © BSquared Media Gary Staab working on Iceman mummy copy © BSquared Media
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jpg 3D Kopie Ötzi Mumie © Materialise.be Ötzi copia resina 3D © Materialise.be Iceman mummy copy resin 3D © Materialise.be
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jpg Gary Staab und Kopie Ötzi nachmodelliert © Staab Gary Staab e copia rimodellata Oetzi © Staab Gary Staab working on Iceman mummy copy © Staab
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jpg The significance of the Iceman's genes for modern humans research
Gary Staab und Kopie Gesicht Ötzi © Staab Gary Staab e copia viso Oetzi © Staab Gary Staab and copy face Iceman © Staab
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jpg Kopie der Mumie Ötzi © Südtiroler Archäologiemuseum/foto-dpi.com Copia della mummia © Museo Archeologico dell'Alto Adige/foto-dpi.com Copy of the Iceman Mummy © South Tyrol Museum of Archaeology/foto-dpi.com
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jpg Kopie der Mumie Ötzi © Südtiroler Archäologiemuseum/foto-dpi.com Copia della mummia © Museo Archeologico dell'Alto Adige/foto-dpi.com Copy of the Iceman Mummy © South Tyrol Museum of Archaeology/foto-dpi.com
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