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Die Tonlampe von Neumarkt
In vielen römischen Haushalten sorgten kleine Lampen aus Ton für etwas Licht in den Abendstunden. Wie in Neumarkt nahe Bozen dienten solche Lampen aber auch als Grabbeigaben: Die Öllampe aus einem Frauengrab zeigt auf ihrer leicht eingesenkten Deckplatte, dem Spiegel, eine kauernde Venus, die sich die Haare wäscht. Das Ölloch befindet sich auf der linken unteren Seite der Figur. Die Volutenverzierung beidseitig der Schnauze ist stark abgenutzt. Die 10 cm lange Tonlampe stammt aus dem zweiten Viertel des 1. Jahrhunderts n. Chr.
- Luxusgeschirr Terra sigillata
- Unter die Lupe genommen – Herstellung einer Tonlampe
- Brandgräber und Körpergräber
- Endidae – eine bedeutende Siedlung an der Via Claudia Augusta
- Die mansio von Neumarkt – eine römische Raststation?
Luxusgeschirr Terra sigillata
Zu den bekanntesten Erzeugnissen der römischen Glanztonkeramik zählt Terra Sigillata-Geschirr. Kennzeichnend ist eine glänzende, glatte und leuchtend rote Oberfläche. Die Römer verwendeten Terra Sigillata. als Tischgeschirr und zum Servieren der Speisen. Deshalb beschränken sich die Formen auf Teller, Platten, Schalen und Schüsseln.
In der Herstellung lässt sich glatte und reliefverzierte Terra Sigillata unterscheiden. Die glatten Gefäße stellten die Töpfer auf der Töpferscheibe her und glätteten die Außenseite mit einfachen Geräten aus Holz, Knochen oder Stein. Für die Herstellung der Reliefschüsseln mit bildlichen Darstellungen an der Außenwand des Gefäßes behalfen sich die Handwerker mit Modeln, den so genannten Formschüsseln, in die der Ton für die späteren Gefäße eingedrückt wurde.
Unter die Lupe genommen – Herstellung einer Tonlampe
Römische Tonlampen bestehen meist aus zwei Teilen – Körper und Schnauze. Zum Lampenkörper gehören der Ölbehälter und die eingesenkte Deckplatte, der so genannte Spiegel. Im oftmals verzierten Spiegel ist das Ölloch eingebracht. Die Schnauze verfügt an ihrer Spitze über ein Dochtloch, aus dem ein Dochtende ragt. Der Schnauze gegenüber liegt der Henkel. Als Brennstoff diente Olivenöl.
Die römischen Töpfer stellten die beliebten Öllampen aus feinen Tonen her. Die meisten Lampen formten sie mit Hilfe von Modeln und setzten Ober- und Unterseite anschließend zusammen. Noch vor dem Brand erhielten sie einen Glanztonüberzug. Dazu wurde das fertig geformte Gefäß in einen feinen Tonbrei getaucht.
Tonlampen mit bildlichen Darstellungen wie jene aus einem Frauengrab von Neumarkt gehören zur Gruppe der Bildlampen. Charakteristisch dafür ist eine figürliche Darstellung auf dem Spiegel. Dieser Lampentyp ist insbesondere für die frühe römische Kaiserzeit in den ersten Jahrhunderten n. Chr. Geburt kennzeichnend.
Brandgräber und Körpergräber
Während der römischen Epoche überwiegen in den südlichen Alpentälern die Brandbestattungen. Die Asche der Toten hinterlegte man entweder in einer Urne oder direkt in einer Grube. Die Beigaben wurden meist mit dem Verstorbenen verbrannt. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. kommen neben der Brandbestattung vereinzelt Körperbestattungen in Ziegelgräbern vor. Die Gräber finden sich meist entlang der Straßen außerhalb der Siedlungen.
Im Alpenraum wandelte sich die Beigabensitte im Laufe der römischen Epoche mehrmals. Wie im Gräberfeld von Neumarkt finden sich in der ersten Zeit nach der römischen Eroberung des Gebietes häufig Importgüter wie Terra Sigillata-Geschirr, Glasfläschchen oder Tonlampen. Etwas später legte man den Toten gemäß der eigenen Traditionen wieder lokale Fibeln und Keramik ins Grab. Im 2. und 3. Jahrhundert sind Messer und Fingerringe beliebte Beigaben.
Endidae – eine bedeutende Siedlung an der Via Claudia Augusta
Im Norden des heutigen Ortszentrums von Neumarkt südlich von Bozen kamen bei ausgedehnten Grabungen verschiedene Gebäude zum Vorschein. Gemäß römischer Bautradition sind ihre Mauern in Kalkmörtel gebunden. Die Häuser datieren in die römische Kaiserzeit in das 1. – 3. Jahrhundert n. Chr. In unmittelbarer Nähe stieß man auf die Reste einer römischen Straße, bei denen es sich um ein Teilstück der Via Claudia Augusta handeln dürfte. Die Fernstraße verband Hostilia/Ostiglia in Norditalien mit der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum, dem heutigen Augsburg in Süddeutschland. Entlang der Straßentrasse von Neumarkt kamen zudem zahlreiche Bestattungen ans Tageslicht. Gebäudereste und Gräber sprechen für eine ausgedehnte römische Niederlassung. Womöglich handelt es sich dabei um die Straßenstation Endidae, die sich 23 Meilen nördlich von Trient befunden haben soll. Entsprechende Angaben finden sich im Itinerarium Antonini, einem Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen.
Die mansio von Neumarkt – eine römische Raststation?
Vieles spricht dafür, dass es sich bei einem der in Neumarkt ergrabenen Gebäude um eine römische Raststation gehandelt hat. Das Gebäude liegt neben der römischen Fernstraße Via Claudia Augusta. Die Bauweise des Gebäudes ähnelt jener anderer Raststationen. Dort konnten sich Reisende ausruhen, Pferde wechseln und sich mit Proviant versorgen.
Die mansio besteht aus einem nach Osten ausgerichteten Säulengang und einen Innenhof, an den sich acht Räume anschließen. Die mächtigen Fundamente und die vermutlichen Reste einer Holztreppe sprechen für ein zweigeschossiges Haus. Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde es von einem Erdbeben zerstört.


