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Das Steinbeil von Völs

Das Steinbeil von Völs am Schlern

Die Bauern und Viehzüchter der europäischen Jungsteinzeit brauchten für ihre tägliche Arbeit neuartige Steingeräte, mit denen sie ihre Felder bearbeiten oder Wälder roden konnten. Dazu zählten unter anderem Steinbeile.

Das spitznackige Steinbeil von Völs am Schlern besteht aus Grünstein. Die Seiten führen im spitzen Winkel vom Nacken zur breiten, bogenförmigen Schneide. Die Oberfläche des Beils ist sorgfältig poliert, der Schäftungsteil im Nackenbereich leicht geraut.
Das Beil ist 13,5 cm lang und datiert in die mittlere Jungsteinzeit.

Alternative Felsgesteine

Für die Herstellung von Beilen und Äxten, die im Gegenteil zu den Beilen ein Loch für den hölzernen Schaft besitzen, kamen während der europäischen Jungsteinzeit bevorzugt Felsgesteine zum Einsatz. In den Alpentälern verwendeten die Menschen dafür meist Granit oder Grüngesteine zu denen Hornblendeschiefer, Serpentin und Amphibolite zählen. Grüngesteine sind in den gesamten Alpen weit verbreitet. Neuartig ist die Bearbeitung der Geräteoberfläche, die glatt geschliffen wird.
 

Feinschliff

Geschliffene Steingeräte tauchen in Europa erstmals während der Jungsteinzeit auf. Für die Herstellung musste der Gesteinsrohling zunächst grob zurechtgepickt und in Form gebracht werden. Die Weiterverarbeitung des Geräterohlings erfolgte auf einer Sandsteinplatte. Schneide und Oberfläche des Beils wurden darauf durch Reibung glatt geschliffen. Der spätere Besitzer konnte die abgenutzte Schneide seines Beiles ebenfalls auf einer Sandsteinplatte nachschärfen. Neben Felsgestein diente auch Silex weiterhin zur Geräteherstellung. Die daraus gefertigen Beile wurden auf dieselbe Art und Weise bearbeitet wie die Felsgesteinbeile.
  

Bauerndörfer an sonnigen Hängen

Während der Jungsteinzeit setzt sich in Mitteleuropa die bäuerliche Lebensweise endgültig durch. Als Haustiere hielt man Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder und Hunde. Heuwirtschaft gibt es in der Jungsteinzeit noch nicht. In den Alpen musste das Vieh mit dem Stroh der Getreideäcker und mit Laub über den Winter gebracht werden. Im Sommer weideten Schafe und Ziegen auf den Almwiesen.Auf den Äckern bauten die Familien Nutzpflanzen an. Nachgewiesen sind Gerste, Emmer, Einkorn, Erbsen und Linsen. Meist lässt sich Ackerbau nur indirekt nachweisen. Die Felder sind längst verschwunden. Erhalten haben sich Arbeitsgeräte. Bei der Getreideernte kamen Sichel-Einsatzklingen aus Silex zum Einsatz. Sie wurden zu mehreren in gebogene Hölzer geschäftet, woraus eine Erntesichel entstand.
  

Arbeitsgeräte, Statussymbole, Wertanlagen

Die im Vergleich zu den mittelsteinzeitlichen Mikrolithen (Link zu KonText 1: Mikrolithen) viel größeren und schwereren Steingeräte der europäischen Jungsteinzeit, wurden für den Einsatz in der Landwirtschaft entwickelt. Dabei stellen die Geräte mit geschliffener und polierter Oberfläche eine technische Neuerung dar, die sich grundlegend von den Bearbeitungstechniken der mittelsteinzeitlichen Jäger unterscheidet. Archäologen vermuten, dass insbesondere die neuartigen Objekte mit geschliffener Oberfläche sozial höhergestellten Personen auch als Statussymbole dienten. Darüber hinaus finden sie sich als Weihegaben in Opferdepots oder als Wertobjekte in Hortfunden.