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Der Münzschatz von Leifers-Reif
Seit der Eroberung im Jahr 15 v. Chr. war der Alpenraum auf verschiedene Provinzen des römischen Reiches aufgeteilt. Kontakte zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Römern im Süden bestanden aber lange vor der offiziellen Eingliederung in das römische Reich. Dies zeigt der Fund von 22 römischen Silberdenaren aus Leifers-Reif. Die zwischen 155 und 116/115 v. Chr. geprägten Münzen wurden vermutlich im Jahr 113 v. Chr. vergraben, als das Volk der Zimbern in die Alpen vordrang und es zu Plünderungen von Siedlungen kam. Die wenigen Münzen lassen auf die Ersparnisse einer einzigen Person schließen.
Gold und Silber
Gold und Silber sind die Inbegriffe für Edelmetall. Die ertragreichsten Goldadern im Alpenraum liegen in den Hohen Tauern, einem Gebirgsstock im heutigen Österreich. Gold findet sich aber auch als Goldsand im Flussschotter und Flusssand alpiner Bäche, wohin es durch die allmähliche Zersetzung goldhaltiger Felsgesteine gelangte. Schriftliche Hinweise auf vorgeschichtlichen Abbau von Goldadern in den Alpen finden sich in den Aufzeichnungen griechischer Geschichtsschreiber über die Kelten.
Auch Silber wurde in den Alpen über Jahrtausende hinweg abgebaut. Große Silbervorkommen gab es etwa in Schwaz oder am Schneeberg nahe dem Alpenhauptkamm. Erste Gegenstände, die aus den beiden Edelmetallen gefertigt wurden, sind bereits aus der Kupferzeit bekannt. In der Antike stellte man aus Silber vor allem Münzen, Fingerringe und Schmuckanhänger her.
Unter die Lupe genommen – die römische Münzprägung
Zur Herstellung von Münzen mussten die römischen Münzpräger zunächst scheibenförmige Rohlinge aus Gold, Silber, Messing oder Kupfer gießen. Diese Münzrohlinge besaßen noch zwei glatte Schauseiten. Die Prägung erfolgte erst in einem zweiten Schritt. Dazu legte der Münzmeister den Rohling in eine münzgroße Vertiefung, die sich im Stempelstock aus Eisen befand. Am Boden dieser Vertiefung war der Prägestempel der Münzvorderseite eingearbeitet. Auf dem Rohling wurde hingegen das Prägeeisen positioniert, das den Prägestempel der Münzrückseite trug. So konnten mit kräftigen Hammerschlägen beide Seiten der Münze gleichzeitig geprägt werden.
Während der römischen Kaiserzeit vom 1.-4. Jahrhundert n. Chr. zeigt die Münzvorderseite immer das Porträt und den Namen des jeweiligen römischen Kaisers. Auf der Rückseite sind Gottheiten oder allegorische Figuren abgebildet.
Mein Schatz!
Warum stoßen Archäologen immer wieder auf Schatzfunde? Dazu zählen nicht nur Münzhorte wie jener von Leifers-Reif. Auch das jungsteinzeitliche Steingerätedepot vom Sonnenburger Hügel kann als solcher interpretiert werden. In der Bronzezeit und Eisenzeit können derartige Depots hingegen aus Bronze- bzw. Eisenbarren bestehen. Gemeinsam ist allen Arten von Schatzfunden, dass es sich dabei um Deponierungen von Wertobjekten handelt. Häufen sich derartige Depots während einer Epoche, sind sie mitunter ein Hinweis auf unsichere, kriegerische Zeiten. Aus Angst vor Plünderungen oder Raubzügen verbarg man seine Wertgegenstände in Gruben oder deponierte sie an schwer zugänglichen Orten. Den einstigen Besitzern war es demnach nicht mehr möglich, ihre Münzen oder Wertgegenstände wieder an sich zu nehmen.
Räter und Romanen
Die im Alpenraum siedelnden Räter pflegten die gesamte jüngere Eisenzeit über, von 550 – 15 v. Chr., enge Kontakte zu ihren südlichen Nachbarn. Dies änderte sich auch nicht, als die Römer Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. in der Poebene erste Städte gründeten. Römische Münzen des 2.-1. Jahrhunderts v. Chr. aus rätischen Siedlungen spiegeln diese Kontakte besonders deutlich wider. Nach dem Alpenfeldzug im Jahr 15 v. Chr. wird der gesamte Alpenraum zu römischem Hoheitsgebiet. Mit der Lebensweise der neuen Landesherren war man bereits vertraut. Die Romanisierung der einheimischen Bevölkerung schritt allerdings mit der Einverleibung in das römische Reich schneller voran. Amtssprache wurde Latein, römische Schrift, Glaubensvorstellungen, Tracht, Sitte und römisches Bauwesen breiteten sich aus. Die Neuerungen brachten für Teile der ansässigen Bevölkerung durchaus Annehmlichkeiten mit sich. Man verfügte über gut ausgebaute Straßen, der Handel florierte, Luxusgüter wurden importiert, der römische Lebensstil sorgte für Komfort. Einheimische Traditionen überdauern trotzdem: vor allem in der tief verwurzelten Glaubenswelt und den Trachtsitten.


