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Der Menhir von Algund
In den Alpentälern zwischen dem Alpenhauptkamm und der Poebene fertigten die Menschen während der Kupferzeit lebensgroße Bildsteine an. Ein solcher Menhir kam 1932 bei Feldarbeiten nahe Algund zum Vorschein. Auf der Vorderseite des Marmorsteines sind zahlreiche Dolche und Beile, die in ihrer Form an das Beil des Mannes aus dem Eis erinnern, eingemeißelt. Im unteren Drittel des Steines ist ein girlandenförmiger Gürtel zu erkennen. Daran schließen zwei waagrecht abgebildete Dolche und die Ritzzeichnung eines vierrädrigen Wagens an, der von zwei gehörnten Tieren gezogen wird.
Unter die Lupe genommen – Figurenmenhire
Aus dem heutigen Südtirol südlich des Alpenhauptkammes sind 12 Menhire von 9 Fundplätzen bekannt. Die Höhe der menschengestaltigen Bildsteine schwankt zwischen 0,60 und 2,75 m. Sie alle tragen Bildkompositionen, die auch auf die Rückseiten der Steine übergreifen. Die Bilder wurden wohl mit Steinwerkzeugen eingemeißelt. Männliche Menhire lassen sich anhand der dargestellten Waffen identifizieren. Bei den abgebildeten Flachbeilen und dreieckigen Dolchen handelt es sich um die ersten Waffen aus Metall. Weibliche Menhire zeigen hingegen Brüste und Schmuckgegenstände, aber niemals Waffen.
Die Datierung der Figurenmenhire gelingt vielfach anhand der Waffendarstellungen. Durch den Formenvergleich der dargestellten Dreiecksdolche und Beile mit echten Fundstücken aus archäologischen Grabungen konnten die Bildsteine der Kupferzeit zugeordnet werden..
Ahnen oder Götter?
Wen die Figurenmenhire tatsächlich darstellen bleibt fraglich. Sind es Ahnen, die als Gründerväter oder Heroen einer Gemeinschaft verehrt wurden, oder zeigen die Bildsteine Götterdarstellungen? Ebenso zur Diskussion steht ihre Bedeutung. Vielen gelten sie als Ausdruck kultischen Brauchtums. In Feldthurns im Eisacktal fand sich ein Figurenmenhir auf einem Bestattungsareal. Auch eine Funktion als Markierung territorialer Grenzen wird vorgeschlagen. Einig sind sich die Archäologen über die große symbolische Bedeutung dieser Steindenkmäler.
Statuenmenhire sind weit verbreitet. Ihr Vorkommen reicht von Portugal und Frankreich über Korsika und Sardinien nach Oberitalien und in den gesamten Alpenraum bis nach Mittel- und Osteuropa.
Den Göttern geweiht?
Während der Kupferzeit hinterlegten die Bewohner der Alpentäler wertvolle Steingeräte in Felsnischen oder Gruben. Ein solcher Depotfund kam beispielsweise 1975 auf dem Sonnenburger Hügel nahe Bruneck zum Vorschein. Zum Inventar gehörten ein Rillenbeil, ein kleines gelochtes Steinbeil samt Wetzstein, eine gestielte Spitze, ein spitznackiges Steinbeil, ein zweites Steinbeil und ein Rillenschlägel. Die Geräte lagen zusammen in einer Grube. Keines trägt Gebrauchsspuren, alle sind gewissermaßen fabriksneu niedergelegt worden.
In einer Felsspalte am Pigloner Kopf, einem Felssporn im Etschtal südlich von Bozen, fanden sich fünf kleine Kupferäxte. Auf der Felskuppe selbst kamen acht flächenretuschierte Speerspitzen aus Silex ans Tageslicht, die ebenfalls zusammen hinterlegt wurden.
Über die Deutung derartiger Depotfunde herrscht Uneinigkeit. Wurden hier im Zuge kultischer Handlungen Opfergaben an Götter dargebracht, oder handelt es sich um einfache Verstecke von Wertgegenständen? Die Mehrheit der Archäologen glaubt an eine kultische Bedeutung.


