Das Südtiroler Archäologiemuseum koordiniert die Forschung am Mann aus dem Eis. Darüber hinaus betreut das Museum, auch in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, archäologische Projekte zum Mann aus dem Eis und zur Ur- und Frühgeschichte von Südtirol.


Leben am Wasser - ein Lagerplatz aus dem Mesolithikum

Geschützt unter einem Felsvorsprung wurde am Galgenbühl (Dos de la Forca) in Salurn ein seltener mesolithischer Lagerplatz entdeckt. Der Galgenbühl wurde zwischen 8400 und 7.500 v.Chr. immer wieder von Jäger- und Sammlergruppen aufgesucht. Während der archäologischen Grabungsarbeiten in den Jahren 1999 bis 2002 konnte umfangreiches Material sichergestellt werden. Dank des kalkhaltigen Sediments, das die Fundstelle bedeckte, haben sich, neben den Geräten aus Feuerstein, auch zahlreiche Tierknochen ausgezeichnet erhalten. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt „Leben am Wasser vor 10.000 Jahren. Ressourcen, Technologien und Mobilität im Mesolithikum am Dos de la Forca in Salurn (Südtirol)“ wird der Lagerplatz einer Neubewertung unterzogen. Ziel der Recherche sind Informationen über die Lebensbedingungen von Menschen aus der mittleren Steinzeit im Etschtal in Abhängigkeit von ihrer Umwelt. Eine Besonderheit dieses mesolithischen Rastplatzes sind der Nachweis und die Jagd von Wildkatzen.

Ein Projekt des Südtiroler Archäologiemuseums, gefördert von der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Abteilung Bildungsförderung, Universität und Forschung. Projektpartner: Amt für Bodendenkmäler, Autonome Provinz Bozen. Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen, die Publikation ist in Vorbereitung.


Bestimmung der Leder- und Fellproben von Ötzi

Von welchen Tieren die Fell- und Lederarten des Mannes aus dem Eis stammen, ist zum großen Teil bekannt, aber neue Untersuchungsmethoden führten immer wieder zu Korrekturen. Bisher wurden alle Felle bzw. Lederreste makroskopisch von Tierexperten bestimmt und es wurden auch Identifizierungstests auf Protein-Basis an ihnen durchgeführt. An einigen Proben konnte damit zwar die Tierfamilie, aber nicht die genaue Tierart bestimmt werden. Zur Bestätigung der ersten Ergebnisse der Universität Saarland werden deshalb zurzeit alle Leder- und Pelzproben des Mannes aus dem Eis in Kooperation mit dem Labor des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman auf ihre DNA hin untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im August 2016 hier veröffentlicht.


Archäologie im Überetsch

Dieses Projekt fasst die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen im Überetsch zusammen. Eine abschließende Publikation gibt einen Überblick über den Zeitraum der Besiedlung von der Mittelsteinzeit bis ins Frühmittelalter und stellt die wichtigsten Fundstellen und Funde aus dem Raum Überetsch vor. Damit sollen möglichst lückenlos alle vorhandenen zugänglichen Sammlungsbestände aufgearbeitet und veröffentlicht werden. Die Funde stammen aus dem Amt für Bodendenkmäler, dem Südtiroler Archäologiemuseum, dem Stadtmuseums Bozen, der Sammlungen von Mörl in Eppan, dem Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck und dem Museo del Buonconsiglio in Trient.

Projektleiter: Dr. Günther Kaufmann, Archäologe am Südtiroler Archäologiemuseum. Die Publikation ist am 22.02.2016 erschienen.


Prähistorische Besiedlung und Ökonomie inneralpiner Hochtäler am Beispiel des Schnalstals, Südtirol


Ziel des interdiziplinären Forschungsprojektes ist es, festzustellen, ab wann der Mensch das Schnalstal dauerhaft besiedelt und in welcher Form er seine Umwelt beeinflusst. In den vergangenen Jahren konnten einige Brandopferplätze aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) in den Nebentälern Finail- und Tisental entdeckt werden. Dabei konnten außergewöhnliche Kleinfunde, wie Bernstein- und Glasperlen gefunden werden, die eine Nutzung durch sozial hochgestellte Gesellschaftsschichten zeugen. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist, ob sich in der Nähe der neuentdeckten Fundstellen eine Siedlung befindet oder ob die Opferplätze im Zuge einer betriebenen Weidewirtschaft nur saisonal genutzt wurden.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Paläobotanik (Untersuchung von Pollen und Makroresten) sowie archäozoologische Untersuchungen erlauben es, die archäologischen Befunde zu erhärten und Aufschluss über Besiedelung und Wirtschaftsweisen zu erhalten. Im Laufe dieses Kalenderjahres werden besonders das Penaud- und das Pfossental untersucht, von denen bisher nur Fundstellen bekannt sind, die von mesolithischen Jägern aufgesucht wurden.

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Südtiroler Archäologiemuseum, dem Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol und dem Institut für Botanik der Universität Innsbruck. Projektleitung: Dr. Andreas Putzer, freier Archäologe, Südtiroler Archäologiemuseum.


Bearbeitungs- und Benutzungsspuren an der Beilklinge

Das Beil des Mannes aus dem Eis sollen einer neuerlichen Mikroskop-Untersuchung unterzogen werden. Ziel ist es, die Bearbeitungsspuren besser zu dokumentieren, so die Herstellung der Randleisten, der ausgezipfelten Ecken der Schneide, das Schließen des Gusslunkers. Auch den Benutzungsspuren soll Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden, so dem Druck des Knieholmes auf den Nacken der Beilklinge, oder den Scharten an der Schneide.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum Südtirol.

Isotopenuntersuchung der Beilklinge

Die Herkunft des Kupfers, aus dem das Beil des Mannes aus dem Eis gegossen wurde, soll untersucht werden. Die Analyse der chemischen Zusammensetzung und der Blei-Isotopen soll den Aufschluss geben für die Zuweisung des Rohstoffes zu einer Lagerstätte. Alpine Lagerstätten sind als Vorarbeit dazu ausgiebig untersucht worden. Daher sollte eine Herkunftsbestimmung des Kupfers gelingen.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Dipartimento di Geoscienze - Università degli Studi di Padova.


Silexgeräte und Gürteltascheninhalt

Der Gürteltascheninhalt und die Silexgeräte des Mannes aus dem Eis sollen einer neuerlichen Mikroskop-Untersuchung unterzogen werden mit der Zielsetzung, die Herkunft des Rohmaterials genauer bestimmen zu können, sowie die Herstellungs- und Benutzungsspuren ausfindig zu machen. Das Besondere am vorliegenden Inventar ist der Umstand, dass es sich um einen geschlossenen Komplex handelt, der aber nicht gezwungenermaßen von ein und derselben Person verwendet oder gar hergestellt wurde.

Projekt in Zusammenarbeit mit den Archäologen Ursula Wierer, Simona Arrighi, Stefano Bertola und Jacques Pelegrin.


Kriminologische Fallanalyse

Seit der Auffindung des Mannes aus dem Eis im Jahr 1991 sind zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Ein Meilenstein in der Forschungsgeschichte ist die Entdeckung der Pfeilspitze in seiner linken Schulter, durch die seine Geschichte neu erzählt werden muss: Ötzi ist ermordet worden. Ziele der operativen Fallanalyse sind eine Erstellung eines Täterprofils, die Analyse der Todesumstände und das eventuelle Mordmotiv. Die Ergebnisse wurden im September 2016 vorgestellt.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium München.

Säben II. Die profanen Bauten der spätantiken Höhensiedlung

Säben war spätestens im 6. Jahrhundert Bischofssitz. Von 1978-1982 wurden auf dem Burgberg von Klausen systematische Grabungen durchgeführt. 2015 ist der erste Band „Säben I“ erschienen, er behandelt die frühchristliche Kirche am Hang. Nun sollen die profanen Bauten der spätantiken Höhensiedlung veröffentlicht werden. Das interdisziplinär ausgerichtete Projekt sieht neben der archäologischen Bearbeitung der Funde und Befunde auch die Durchführung von weiteren Sondagen und naturwissenschaftliche Untersuchungen vor (Radiokarbondatierungen, osteologische und archäometallurgische Analysen).
Von diesem Projekt sind wichtige neue Anhaltspunkte für die Diskussion der spätantiken/frühmittelalterlichen Höhensiedlungen im Alpenraum zu erwarten. Zudem erfährt der Burgberg von Säben, der ein wichtiger Bestandteil des touristischen Angebots der Stadt Klausen ist, eine Aufwertung, die in einer musealen Umsetzung enden könnten.

Ein Projekt des Südtiroler Archäologiemuseums. Projektleiter: Dr. Hans Nothdurfter, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Mag. Stephan Leitner.
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