Das Südtiroler Archäologiemuseum koordiniert die Forschung am Mann aus dem Eis. Darüber hinaus betreut das Museum, auch in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, archäologische Projekte zum Mann aus dem Eis und zur Ur- und Frühgeschichte von Südtirol.


Übersicht und Evaluation der radiologischen Untersuchungen an der neolithischen Mumie des Mannes aus dem Eis von 1991 bis 2019

Alle radiologischen Untersuchungen (Röntgen- und Computertomografische CT-Aufnahmen), die im Laufe der Jahre seit der Entdeckung des Mannes aus dem Eis (1991) von der Mumie angefertigt wurden, werden digital aufbereitet und in ein gemeinsames Archiv überführt. Ein anschließender Vergleich der Aufnahmen ermöglicht dem Südtiroler Archäologiemuseum die wissenschaftliche Dokumentation des Status quo der Mumie. Da weltweit keine Mumie in so regelmäßigen Abständen radiologisch untersucht wurde, bietet die Langzeitdokumentation der radiologischen Aufnahmen von Ötzi auch wichtige Vergleichsparameter zum Konservierungszustand von Mumien allgemein.

Projektpartner: Oliver Peschel (Konservierungsbeauftragter, Institut für Rechtsmedizin Universität München), Patrizia Pernter (Radiologie Regionalkrankenhaus Bozen), Frank Rühli (Institut für Evolutionäre Medizin Universität Zürich).


Iceman Conservation Project 2.0

Studie zum Konservierungszustand der Mumie und Evaluation möglicher Konzepte für zukünftige Konservierungsbedingungen des Mannes aus dem Eis und seiner Beifunde. Dabei werden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Möglichkeiten berücksichtigt.

Projektpartner: EURAC-Institut für Mumienforschung



Untersuchung der gedrehten Schnur des Mannes aus dem Eis

Fragestellung: detaillierte Untersuchung des Schnurbündels aus Ötzis Köcher. Bestimmung der Art der Fasern: handelt es sich um pflanzliche oder tierische Fasern? Test, ob diese Schnur als Bogensehne geeignet gewesen wäre.

Projektpartner: Jürgen Junkmanns / Werner Schoch / Albert Hafner, im Rahmen des Schweizer Forschungsprojekts „Unfreezing history. A study to find historical, technological and conservational possibilities for the earliest example of a Neolithic bow case ever to be found.“ (Schweiz. Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaften (SNF).


Silexgeräte und Gürteltascheninhalt

Der Gürteltascheninhalt und die Silexgeräte des Mannes aus dem Eis wurden einer neuerlichen Mikroskop-Untersuchung unterzogen mit der Zielsetzung, die Herkunft des Rohmaterials genauer bestimmen zu können, sowie die Herstellungs- und Benutzungsspuren ausfindig zu machen. Das Besondere am vorliegenden Inventar ist der Umstand, dass es sich um einen geschlossenen Komplex handelt, der aber nicht gezwungenermaßen von ein und derselben Person verwendet oder gar hergestellt wurde.

Resultat der Untersuchung: die Herkunft der Silexwerkzeuge von Ötzi konnte genauer verortet werden. Demnach stammt der Rohstoff seiner Feuersteinwerkzeuge aus dem Gebiet zwischen dem heutigen Veneto und der Grenze zur Lombardei. Ötzi scheint schon länger keinen Materialnachschub mehr gehabt zu haben, weil alle Werkzeuge bis fast zur Materialneige nachgeschärft wurden. Vermutlich bereitete ihm dieser Umstand in den letzten Lebensmonaten und -tagen Stress.
Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Juni 2018 veröffentlicht.

Projekt in Zusammenarbeit mit den Archäologen Ursula Wierer, Simona Arrighi, Stefano Bertola und Jacques Pelegrin.


Bearbeitungs- und Benutzungsspuren an der Beilklinge

Das Beil des Mannes aus dem Eis sollen einer neuerlichen Mikroskop-Untersuchung unterzogen werden. Ziel ist es, die Bearbeitungsspuren besser zu dokumentieren, so die Herstellung der Randleisten, der ausgezipfelten Ecken der Schneide, das Schließen des Gusslunkers. Auch den Benutzungsspuren soll Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden, so dem Druck des Knieholmes auf den Nacken der Beilklinge, oder den Scharten an der Schneide.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum Südtirol.

Isotopenuntersuchung der Beilklinge

Bei diesem Projekt wurde das Kupfer untersucht, aus dem das Beil des Mannes aus dem Eis gegossen ist. Die chemische Zusammensetzung der Beilklinge und die Blei-Isotopen geben Aufschluss für die Zuweisung des Rohstoffes zu einer bestimmten Lagerstätte.
Überraschenderweise gab es wenig Übereinstimmung mit dem Kupfer aus alpinen Lagerstätten, die als Vorarbeit dazu ausgiebig untersucht worden waren. Vielmehr weist die Herkunft des Kupfers von Ötzis Beil eindeutig in die südliche Toskana.
Die Publikation ist im Juli 2017 erschienen, ein Nachtrag im Dezember 2017.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Dipartimento di Geoscienze - Università degli Studi di Padova.


Schnals – Das Hochgebirge als Wirtschafts- und Interaktionsraum prähistorischer Dorfgemeinschaften

Ziel des interdisziplinären Forschungsprojektes ist die Rekonstruktion der Weide- und Almwirtschaft in der Bronze- und Eisenzeit sowie eine mögliche territorialer Aufteilung des Hochgebirges durch Siedler aus dem Vinschgau (nur in Schnals).

In den vergangenen Jahren wurden neben Brandopferplätzen aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) in den Nebentälern des Schnalstals, dem Finail- und Tisental, sowie saisonal genutzte bronze- und eisenzeitliche Strukturen am Eingang des Finailtales und in Penaud archäologisch untersucht. Die saisonale Nutzung von Schnals in der Bronzezeit erfolgte vom Vinschgau aus. Nun gilt es zu klären welche bronzezeitlichen Siedlungen daran beteiligt waren. Mit Hilfe petrographischer Untersuchungen der Keramikfragmente aus dem Schnalser Hochgebirge und aus den Siedlungen im Vinschgau, soll die Erschließung des Tales geklärt werden. Sondierungen in Schnals (im gesamten Tal) ergaben im vergangenen Jahr 13 weitere vielversprechende Fundstellen (4000 – 300 v. Chr.), von denen einige sukzessive in archäologischen Grabungen untersucht werden. Bisher waren aus dieser Gegend gar keine oder nur Fundstellen bekannt, die von mesolithischen Jägern aufgesucht wurden.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Paläobotanik (Untersuchung von Pollen und Makroresten), archäozoologische Untersuchungen und petrografische Analysen von Keramikresten erlauben es, Aufschluss über Besiedelung und Wirtschaftsweisen zu erhalten.

Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt (2018-2020). Kooperationspartner sind das Südtiroler Archäologiemuseum, das Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol, das Institut für Botanik der Universität Innsbruck und das Amt für Geologie und Baustoffforschung der Provinz Bozen/Südtirol.
Projektleitung: Dr. Andreas Putzer, Südtiroler Archäologiemuseum.

Bisherige Publikationen zum Thema:

Putzer, A.: Eine prähistorische Almhütte am Schwarzboden im Maneidtal (Südtirol). In: Arch. Austriaca, Band 93 (2009) 33-43;
Festi, D. / Putzer, A. / Vannière, B. / Oeggl, K.: The role of transhumance in the Inner Alps at the time of the Alpine Iceman. In: Journal of Alpine Geology 52:109 (2010);
Putzer, A.: Finailgrube. In: Denkmalpflege Jahresbericht (2010) 208-209;
Putzer, A.: Jochwiese. In: Denkmalpflege Jahresbericht (2011) 184-185;
Putzer, A.: Von Hirtinnen und Bernstein – Prähistorische Weidewirtschaft im Schnalstal. In: Arch. Korrespondenzblatt 42 (2012) 153-170;
Putzer, A.: Königinnen der Almen – Prähistorische Weidewirtschaft im Schnalstal. In: Der Schlern 87 (2013) 3-31;
Putzer, A.: Finailhof. In: Denkmalpflege Jahresbericht (2013) 295-296;
Festi, D. / Putzer, A. / Oeggl, K.: Mid and late Holocene land-use changes in the Ötztal Alps, territory of the Neolithic Iceman “Ötzi”. In: Quaternary International (2013) 1-17;
Putzer, A.: Nicht nur Ötzi – Neufunde aus dem Tisental. In: Prähistorische Zeitschrift, Band 89/1 (2014), 55-71;
Putzer, A. / Festi, D. / Edlmair, S. / Oeggl, K.: The development of human activity in the high altitudes of the Schnals Valley (South Tyrol/Italy) from the Mesolithic to modern periods. In: Journal of Archaeological Science: Reports 6 (2016) 136-147;
Putzer, A. / Festi, D. / Oeggl, K.: Was the Iceman really a herdsman? The development of a prehistoric pastoral economy in the Schnals Valley. In: Antiquity 90 350 (2016) 319–336;
Putzer, A.: L’importanza del territorio di alta montagna per le comunità preistoriche – Il caso di studio “Val Senales”. The role of high alpine landscape for prehistoric communities – The case study Schnals. INCONTRI ANNUALI DI PREISTORIA E PROTOSTORIA, 7 (2019), 38-40;
Oeggl, K. / Festi, D. / Putzer, A.: The onset of alpine pastoral systems in the Eastern Alps. In: IEMA. In Druck.


Kriminologische Fallanalyse

Seit der Auffindung des Mannes aus dem Eis im Jahr 1991 sind zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Ein Meilenstein in der Forschungsgeschichte war die Entdeckung der Pfeilspitze in seiner linken Schulter, durch die seine Geschichte neu erzählt werden muss: Ötzi ist ermordet worden. Ziele der operativen Fallanalyse sind die Erstellung eines Täterprofils, die Analyse der Todesumstände und das eventuelle Mordmotiv. Die Ergebnisse wurden im September 2016 vorgestellt.

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium München.

Bestimmung der Leder- und Fellproben von Ötzi

Von welchen Tieren die Fell- und Lederarten des Mannes aus dem Eis stammen, ist zum großen Teil bekannt, aber neue Untersuchungsmethoden führten immer wieder zu Korrekturen. Bisher wurden alle Felle bzw. Lederreste makroskopisch von Tierexperten bestimmt und es wurden auch Identifizierungstests auf Protein-Basis an ihnen durchgeführt. An einigen Proben konnte damit zwar die Tierfamilie, aber nicht die genaue Tierart bestimmt werden. Zur Bestätigung der ersten Ergebnisse der Universität Saarland werden deshalb zurzeit alle Leder- und Pelzproben des Mannes aus dem Eis in Kooperation mit dem Labor des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman auf ihre DNA hin untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden im August 2016 veröffentlicht.


Archäologie im Überetsch

Dieses Projekt fasst die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen im Überetsch zusammen. Eine abschließende Publikation gibt einen Überblick über den Zeitraum der Besiedlung von der Mittelsteinzeit bis ins Frühmittelalter und stellt die wichtigsten Fundstellen und Funde aus dem Raum Überetsch vor. Damit sollen möglichst lückenlos alle vorhandenen zugänglichen Sammlungsbestände aufgearbeitet und veröffentlicht werden. Die Funde stammen aus dem Amt für Bodendenkmäler, dem Südtiroler Archäologiemuseum, dem Stadtmuseums Bozen, der Sammlungen von Mörl in Eppan, dem Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck und dem Museo del Buonconsiglio in Trient.

Projektleiter: Dr. Günther Kaufmann, Archäologe am Südtiroler Archäologiemuseum. Die Publikation ist als Band 5 der Schriften des Südtiroler Archäologiemuseums am 22.02.2016 erschienen.


Leben am Wasser - ein Lagerplatz aus dem Mesolithikum

Geschützt unter einem Felsvorsprung wurde am Galgenbühl (Dos de la Forca) in Salurn ein seltener mesolithischer Lagerplatz entdeckt. Der Galgenbühl wurde zwischen 8400 und 7.500 v.Chr. immer wieder von Jäger- und Sammlergruppen aufgesucht. Während der archäologischen Grabungsarbeiten in den Jahren 1999 bis 2002 konnte umfangreiches Material sichergestellt werden. Dank des kalkhaltigen Sediments, das die Fundstelle bedeckte, haben sich, neben den Geräten aus Feuerstein, auch zahlreiche Tierknochen ausgezeichnet erhalten. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt „Leben am Wasser vor 10.000 Jahren. Ressourcen, Technologien und Mobilität im Mesolithikum am Dos de la Forca in Salurn (Südtirol)“ wurde der Lagerplatz einer Neubewertung unterzogen. Ziel der Recherche waren Informationen über die Lebensbedingungen von Menschen aus der mittleren Steinzeit im Etschtal in Abhängigkeit von ihrer Umwelt. Eine Besonderheit dieses mesolithischen Rastplatzes sind der Nachweis und die Jagd von Wildkatzen.

Ein Projekt des Südtiroler Archäologiemuseums, gefördert von der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Abteilung Bildungsförderung, Universität und Forschung. Projektpartner: Amt für Bodendenkmäler, Autonome Provinz Bozen.

Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen; die Ergebnisse wurden in mehreren wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht: Quaternary International 330, Quaternary International 423 (143-165), Quaternary International 423 (102-122), Preistoria Alpina 48, Nature Ecology & Evolution.


Säben II. Die profanen Bauten der spätantiken Höhensiedlung

Säben war spätestens im 6. Jahrhundert Bischofssitz. Von 1978-1982 wurden auf dem Burgberg von Klausen systematische Grabungen durchgeführt. 2015 ist der erste Band „Säben I“ erschienen, er behandelt die frühchristliche Kirche am Hang. Nun sollen die profanen Bauten der spätantiken Höhensiedlung veröffentlicht werden. Das interdisziplinär ausgerichtete Projekt sieht neben der archäologischen Bearbeitung der Funde und Befunde auch die Durchführung von weiteren Sondagen und naturwissenschaftliche Untersuchungen vor (Radiokarbondatierungen, osteologische und archäometallurgische Analysen).
Von diesem Projekt sind wichtige neue Anhaltspunkte für die Diskussion der spätantiken/frühmittelalterlichen Höhensiedlungen im Alpenraum zu erwarten. Zudem erfährt der Burgberg von Säben, der ein wichtiger Bestandteil des touristischen Angebots der Stadt Klausen ist, eine Aufwertung, die in einer musealen Umsetzung enden könnten.

Ein Projekt des Südtiroler Archäologiemuseums. Projektleiter: Dr. Günther Kaufmann
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