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Die Bergung
Freitag, 20. September 1991
Am Tag nach der Entdeckung des Toten startete ein österreichischer Bergungstrupp den ersten Bergungsversuch. Das Wetter hatte sich an diesem Tag deutlich verschlechtert. Mit Hilfe eines Pressluftmeißels versuchten der Gendarm Anton Koler und der Hüttenwirt Markus Pirpamer den Toten freizulegen. Wegen des ständig nachfließenden Schmelzwassers musste auch unter Wasser gearbeitet werden. Dabei wurde die linke Hüfte des Toten beschädigt. Da sich das Wetter zunehmend verschlechterte, und das geeignete Werkzeug für die Bergung fehlte, brach die Mannschaft die Arbeiten ab.
Samstag, 21. September 1991
Am nächsten Tag, Samstag, konnte die Bergung wieder nicht in Angriff genommen werden, da kein Hubschrauber zur Verfügung stand. An diesem Tag erreichten zufällig die beiden Extrembergsteiger Hans Kammerlander und Reinhold Messner die Fundstelle. Sie beobachteten erstmals Details der Bekleidung und Ausrüstung des Toten.
Sonntag, 22. September 1991
Am Sonntag machten sich der Bergrettungsobmann Alois Pirpamer und Franz Gurschler auf den Weg zum Tisenjoch. Sie beabsichtigten den Körper für die für Montag vorgesehene Bergung vollständig freizulegen. Sie sammelten die losen Funde ein und packten sie in einen Plastikmüllsack. Noch am selben Tag kehrte Alois Pirpamer, den Sack mit den Funden über die Schultern geworfen, in sein Hotel nach Vent zurück.
Montag, 23. September 1991
Am Montag wurde der Tote schließlich geborgen. Über Nacht war Schnee gefallen. Der Leichnam war aufgrund der tiefen Nachttemperaturen wieder vollständig eingefroren. Unter der Leitung von Rainer Henn vom Institut für Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck fand vor laufender Kamera die Bergung statt. Die Aufnahmen sind heute ein wichtiges Dokument, da kein Archäologe bei der Bergung anwesend war.
Mit Eispickel und Skistock wurde die Mumie nun vollständig freigelegt. Dabei kamen im Schmelzwasser zahlreiche Leder- und Fellreste, Schnüre, Riemen und Heubüschel zum Vorschein, die auf einem Haufen neben dem Leichnam abgelegt wurden, u. a. ein Dolch mit Feuersteinklinge und Holzgriff.
Der Tote wurde schließlich zusammen mit den Funden in einen Leichensack gepackt und samt Beifunden im Bergesack mit dem Hubschrauber nach Vent im Ötztal (Österreich) geflogen.
Dort legte man den Leichnam zusammen mit den Funden, die bereits am Tag zuvor durch Alois Pirpamer geborgen worden waren, sowie dem beim Gendarmerieposten in Sölden gelagerten Beil in einen vorbereiteten Holzsarg. Ein Leichenwagen brachte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft den Sarg schließlich nach Innsbruck in das Institut für Gerichtsmedizin.


